NWR zieht Zwischenbilanz zum Clean Industrial Deal

Berlin, 12.03.2026 – Der Nationale Wasserstoffrat (NWR) hat in seiner Sitzung am 26. Februar 2026 in Berlin eine Stellungnahme zum Clean Industrial Deal der Europäischen Union veröffentlicht und darin eine Zwischenbilanz mit Blick auf den Wasserstoffhochlauf gezogen. Aus Sicht des NWR enthält der Clean Industrial Deal wichtige und richtige Ansätze, bleibt in zentralen Punkten jedoch noch hinter den Erfordernissen zurück, um Investitionen auszulösen, Kosten zu senken und Planungssicherheit für Industrie und Infrastruktur zu schaffen.

Der NWR betont, dass der erfolgreiche Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft untrennbar mit einem funktionierenden europäischen Binnenmarkt verbunden ist. Regulatorische Klarheit, wettbewerbsfähige Strompreise, eine bedarfsgerecht ausgebaute Infrastruktur sowie wirksame Instrumente zur Überbrückung der bestehenden Kostenlücke sind entscheidende Voraussetzungen, damit Wasserstoff seine Rolle als Schlüsseltechnologie für eine klimaneutrale und wettbewerbsfähige Industrie erfüllen kann.

Der Clean Industrial Deal greift zentrale Elemente des Wasserstoffhochlaufs auf – etwa durch Maßnahmen zur Dekarbonisierung der Industrie und Ansätze zur Schaffung von Leitmärkten für emissionsarme Grundstoffe. Der NWR begrüßt diese Schritte ausdrücklich. Gleichzeitig weist der Rat darauf hin, dass viele Maßnahmen bislang nicht entschieden oder nicht schnell genug ausgestaltet sind, um die bestehenden Investitionshemmnisse wirksam zu adressieren.

Insbesondere fordert der NWR mehr Pragmatismus in der Regulierung. In der Hochlaufphase sei Flexibilität bei den Herstellungsrouten für Wasserstoff notwendig, um Kosten zu senken und Volumina verfügbar zu machen. Die derzeitigen Vorgaben insb. für die Produktion von erneuerbarem Wasserstoff führten zu hohen Produktionskosten und bremsten den Markthochlauf. Der NWR spricht sich daher für eine zeitnahe Anpassung der Kriterien aus, um Investitionen zu erleichtern und den Markthochlauf zu beschleunigen. Auch bei der Umsetzung der RED-III Industrieunterquote ist Pragmatismus und Flexibilität gefragt.

Zugleich unterstreicht der NWR die Bedeutung wirksamer Instrumente zur Überbrückung der Kostenlücke, etwa durch doppelseitige Auktionierungsmodelle und eine Weiterentwicklung der Europäischen Wasserstoffbank. Langfristige Wasserstoffbezugsverträge müssten zudem durch staatliche Absicherungsinstrumente zielgerichtet flankiert werden, um Investitionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu ermöglichen.

Aus Sicht des Nationalen Wasserstoffrates bietet der Clean Industrial Deal eine wichtige Grundlage für die industrielle Transformation in Europa. Damit der Wasserstoffhochlauf tatsächlich Fahrt aufnimmt, sind nun entschlossene, pragmatische und zügige Umsetzungsschritte erforderlich – insbesondere bei Regulierung, Infrastruktur, Finanzierung und Strompreisen. Mit Spannung erwartet der NWR die Veröffentlichung des Industrial Accelerator Acts.

Die Stellungnahme “Zwischenbilanz des Clean Industrial Deal mit Blick auf den Wasserstoffhochlauf” vom 26. Februar 2026 steht hier als Download bereit.

Clean Industrial Deal (PDF, 174 KB)